Hofsänger, Rundfunkpionier und Regisseur

Cornelis
Bronsgeest

Biografie in Vorbereitung

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Cornelis Bronsgeest

Cornelis Bronsgeest (* Leiden, 24. Juli 1878; † Berlin, 22. September 1957) ist gegenwärtig fast in Vergessenheit geraten, jedoch war er während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik, ein berühmter Baritonsänger der internationalen Ruf genoss. Nach einer gediegenen Ausbildung in den Niederlanden und Deutschland folgte eine glanzreiche Karriere, die in den Stadttheatern von Magdeburg und Hamburg anfing. In relativ jungen Jahren wurde er bei der Berliner Hofoper (später Staatsoper 'Unter den Linden') angestellt und von dem Kaiser Wilhelm II ausgezeichnet. Bronsgeest reiste als Gastspielsänger durch Europa und unternahm verschiedene Versuche, um das kümmerliche Niveau der niederländischen Oper zu verbessern.

Was Bronsgeest insbesondere von anderen berühmten Musikerzeitgenossen unterscheidet, ist seine Beteiligung bei der Entstehungsgeschichte des Rundfunks. Der Berliner Rundfunk hatte sich im Laufe der zwanziger Jahre blitzschnell zu einem Massenmedium entwickelt. Klassische Musik und Oper gehörten, neben dem Hörspiel, zu den populärsten Teilen der Programmgestaltung. Bronsgeest war gleichermaβen bekannt als Rundfunkpersönlichkeit und Opernstar. Die Berliner Funk-Stunde AG wurde die neue Plattform zur Entdeckung und Förderung neuer Talente.

Der Tenor Joseph Schmidt konnte beispeilweise wegen seiner kleinen Statur keine Karriere als Podiumkünstler machen. Schmidt wurde jedoch weltberühmt, nachdem Bronsgeest ihn entdeckte und ihn bei Rundfunkaufführungen und Schallplattenaufnahmen engagierte.

Der Rundfunk popularisierte bestimmte Musikgattungen wie Oper und Operette, er bewerkstelligte einen Anstieg der Theatersbesucher. Weiterhin war er Auftraggeber neuer Kompositionen und die Mittel für die Wiedereinführung vergessener Werke. Bronsgeest war zugleich der Gründer von zwei bedeutenden Instituten: das Berliner Rundfunk Orchester und der Berliner Rundfunk Chor, dem heutigen Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) und Rundfunkchor Berlin.

Während seiner Laufbahn teilte Bronsgeest das Podium und Studio mit zahllosen denkwürdigen Sängern wie Frieda Hempel, Baptist Hoffmann, Walther Kirchhoff, Erna Denera, Paul Knüpfer, Gotthelf Pistor, Ludwig Hofmann, Enrico Caruso, Geraldine Farrar, Jacques Urlus, Johannes Messchaert, Louis van de Sande, Anton van Rooy und Joseph Schmidt. Auβerdem engagierte er verschiedene berühmte Dirigenten, um in seinen Rundfunkstudios aufzutreten, zum Beispiel: Erich Kleiber, Willem Mengelberg, Richard Strauss, Thomas Beecham, Bruno Seidler-Winkler, Siegfried Wagner, Bruno Walter, Otto Klemperer, Selmar Meyrowitz, Max von Schillings, Hugo Rüdel, Leo Blech und Hermann Abendroth.

Musikausschnitt von Cornelis Bronsgeest in der Rolle von Amfortas in Richard Wagners Parsifal (Akt III). Orchester und Chor der Berliner Staatsoper unter Leitung von Dr. Karl Muck (Dirigent) und Prof. Hugo Rüdel (Chorleiter). Aufgezeichnet in der Singakademie, Berlin (1928). CD: Naxos 8.110049-50.

Biografieprojekt

Es ist meine Absicht, um eine wissenschaftliche Biografie über das Leben und die Arbeit von Cornelis Bronsgeest zu schreiben. Sie soll Musik-, Medien- und Technologiegeschichte, im Hintergrund der ‘groβen Geschichte’ Deutschlands und der Niederlande miteinander verbinden. Grundlage der Biografie sind ausführliche Literatur- und Archivforschungen. Auβerdem wird sie auf die verschiedenen Ehefrauen von Bronsgeest eingehen: Bertha Kleen (Schauspielerin), Charlotte Kant (post-impressionistische Malerin) und Elsa Mehn (Sekretärin).

Weiterhin habe ich mir vorgenommen, alle Musikaufnahmen von Cornelis Bronsgeest (zirka 100 Schallplatten und Wachszylinder) ausfindig zu machen, zu digitalisieren und zu restaurieren. Danach werden die Inhalten auf dieser Website veröffentlicht.

Bitte um Hilfe

Haben Sie Informationen über Cornelis Bronsgeest, seine Ehefrauen, Verwandte oder Kollegen? In diesem Falle würde ich Sie bitten, mittels des unterstehenden Webformulars Kontakt mit mir aufzunehmen. Insbesondere suche ich die Nachfolgendem:

  • Persönliche und geschäftliche Korrespondenz
  • Rezensionen und Broschüren von Aufführungen, Aufnahmen und Rundfunkprogrammen
  • Memoiren und Tagebücher von Kollegen oder Verwandten
  • Artikel, Bücher, Reden und Hörspiele
  • Fotos und Filmaufnahmen, Schallplatten, Wachszylinder und Bandaufnahmen

Vielen Dank im Voraus!

Anton van Kempen

Im Rahmen dieses Projekts ist er an der Universität Utrecht, Abteilung Musikwissenschaft, eingestellt. Auβerdem arbeitet er seit 1994 als wissenschaftlicher Verleger und entwickelt Bildungsmedien (E-Learning). Anton hat Philologie an den Universitäten von Leiden (Niederlande) und Leuven (Belgien) studiert. Insbesondere interessiert er sich für klassische Musik, Kultur- und Mediengeschichte und Tontechnologie.

Anton van Kempen